Falls Sie in den siebziger / achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts Kind waren, erinnern Sie sich vielleicht noch an die großen Büsche mit langen lila oder weißen Blütendolden, an denen sich an sonnigen Tagen immer Dutzende von Schmetterlingen tummelten. Jahrelang kannte man sie nur als „Schmetterlingsbüsche“, jeder wusste, was damit gemeint war.

Fragen Sie heute mal Leute unter 20 Jahre …. ratloses Fragezeichen im Gesicht. Die Pflanze heißt übrigens korrekt „Sommerflieder“. Und zeigt dramatisch das Sterben vieler Arten an – kaum noch Schmetterlinge, kaum noch Insekten unterwegs.

Artenvielfalt bewegt uns alle. „Rettet die Bienen“ war ein sehr emotionaler Slogan – kein Wunder also, dass das bayerische Volksbegehren im Februar 2019 zu einem vollen Erfolg wurde. 18,4 % der unterschriftsberechtigten Bürger trugen sich ein, damit ist die „Artenvielfalt“ das erfolgreichste Volksbegehren in der bayerischen Geschichte. Knapp jedem Fünften liegt also die Artenvielfalt am Herzen. Im Kern ging es um eine Änderung des bayerischen Naturschutzgesetzes:

  • bis 2025 sollen mindestens 20 Prozent und bis 2030 mindestens 30 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche nach den Grundsätzen des ökologischen Landbaus bewirtschaftet werden
  • staatliche Flächen sind bereits ab 2020 ökologisch zu bewirtschaften
  • Umbruch von Dauergrünland soll verboten werden
  • biologische Vielfalt des Waldes zu erhalten oder zu erreichen, soll vorrangiges Ziel in staatlichen Wäldern werden
  • zehn Prozent des Grünlandes sollen erst nach dem 15. Juni gemäht werden und
  • im Offenland soll ein Biotop-Verbund geschaffen werden, der 13 Prozent der Fläche umfasst.

Wie es jetzt weitergeht, entscheidet die bayerische Regierung. Der „Warnschuss“ war deutlich – das Volk will mehr Natur. Eigentlich sehr schön, viele vergessen aber, dass nicht nur der Staat in der Pflicht ist. Sondern auch jeder im Privatleben etwas zu mehr Artenvielfalt beitragen kann. Hier unsere 7 recht einfachen Tipps:

  1. Sorgen Sie für Abwechslung in Ihrem Garten / auf Ihrem Balkon. Und für wenig Stein.
    Natürlich ist ein geplättelter Vorgarten oder eine große Rasenfläche pflegeleichter als als eine Grünfläche mit verschiedenen Pflanzen. Aber an einem Grashalm oder einem Stein findet keine Biene, kein Insekt Nahrung …
  2. Rasen – ein englischer Rasen mag gefallen, für die Natur ist aber eine Grünfläche, auf der auch“Unkraut“ wachsen darf, besser.
    Wobei „Unkraut“ eigentlich ein falsches Wort ist, denn wer definiert „Un“? Pflanzenvielfalt, Klee, Löwenzahn, sieht nicht nur nett aus, sondern bietet mit den Blüten auch wieder Nahrung für Insekten.
  3. Lassen Sie das Gras auch mal wachsen … nicht immer gleich alles wegmähen.
  4. Pflanzen Sie viele Blühendes: neben Blumen auch Gehölze und Büsche wie beispielsweise Rhododendron, Flieder, Texasliguster, Hibiskus.
    So haben Sie (und die Bienen, Hummeln usw.) eine lang andauernde Blühfolge. Zusätzlich eignen sich Büsche wie Johannisbeeren und Stachelbeeren, sowohl im Garten als auch in Kübeln gut haltbar. Das hat den netten Nebeneffekt: zuerst kommen die Insekten und später können Sie naschen! Achten Sie bei der Auswahl auf das „winterhart“, dann haben Sie lange Jahre Freude daran.
  5. Achten Sie bei der Blühpflanzenauswahl auf solche, die viel Nektar versprechen.
    Blumen mit „gefüllten Blüten“, z.B. Geranien, liefern leider keine Nahrung für Insekten. Glockenblumen dagegen, Kornblumen, Löwenmäulchen, Astern … ebenfalls schön anzusehen und sehr nahrhaft für Biene & Co. Eine umfangreiche Liste „Pflanzen, die gut für Bienen sind“, finden Sie u.a. beim BUND Naturschutz.
  6. Setzen Sie keine Pestizide ein, keine Unkrautvernichtungsmittel usw. – die töten auch die Insekten und andere im Erdreich wohnenden Lebewesen.
    Wenn Sie unbedingt „Unkraut“ vernichten wollen, dann gehen Sie in die Knie und zupfen Sie. Das ist am naturverträglichsten. Und gut für Ihre Beweglichkeit und Fitness!
  7. Säen Sie doch mal in einen Kübel, auf eine Gartenfläche, in einen Blumenkasten eine Samenmischung „Wildwiese“ oder „Blühende Wiese“.
    Wenn es soweit ist, macht es einfach Spaß, den fliegenden Bütenstaubsammlern zuzuschauen“!
  8. Stellen Sie ein Insektenhotel auf, wenn Sie genug Platz dafür haben.
  9. Kaufen Sie Bio Lebensmittel.
    Denn wenn wir über ein schärferes Naturschutzgesetz die Landwirte zu 20 Prozent bzw. 30 Prozent biologisch bewirtschafteten Flächen verpflichten, dann sollten wir auch die Biolebensmittel kaufen, die dort entstehen.
  10. Lassen Sie im Herbst Ihre verblühten Büsche, Gehölze und Stauden stehen, schneiden Sie sie nicht zurück.
    Hier finden u.a. Wildbienen Unterschlupf für den Winter.

Und falls Sie auf der Suche nach einem netten Give away, einem kleinen Werbegeschenk sind – da empfehlen wir Samenbomben. 100 % ökologisch, kein Verpackungsabfall, und sie bereiten mit einer Samenbombe „Wildblumen“ Schmetterlingen, Biene und Co. eine Nahrungsfreude!